Kommentar Stadthallenbad

Zuerst volkswirtschaftlicher Schaden, jetzt großes Geheimnis

Falter & Meinung | BIRGIT WITTSTOCK | aus FALTER 35/16 vom 31.08.2016

Vergangene Woche geschah etwas Überraschendes: Die Stadt Wien, genauer gesagt ihre Tochter Wien Holding, die das Stadthallenbad betreibt, einigte sich außergerichtlich mit dem von ihr verklagten Generalplaner Georg Driendl - und vereinbarte "wechselseitiges Stillschweigen". 2014 hatte die Stadt Driendl wegen angeblicher Planungsfehler, Baumängel und des zweijährigen Einnahmenentgangs, der aus dem von der Wien Holding erwirkten Baustopp resultierte, verklagt . Etwa 15 Millionen Euro forderte man vom Generalplaner und der örtlichen Bauaufsicht -wegen des "volkswirtschaftlichen Schadens" - und darüber hinaus die "lückenlose Aufklärung" des Falls, wie der damalige Sportamtschef Christian Oxonitsch sagte.

Die kam eigentlich schon im Jahr 2012 in Form eines Kontrollamtsberichts, der dokumentiert, dass der Sanierungsauftrag von Beginn an eine Farce war: Grundsätzliche Fehler in der Projektvorbereitung, außerdem habe der Auftrageber, sprich die Stadt, die Bausubstanz vor der Sanierung nicht genau prüfen lassen. Man klagte trotzdem weiter -immerhin sitzt die Wien Holding, was die Prozesskostenfinanzierung betrifft, am längeren Hebel als Driendl, dem lediglich die Wiener Architektenkammer als moralische Unterstützung zur Seite stand.

Vergangenen Winter folgte ein Prozessgutachten, das den ehemaligen Generalplaner ebenfalls entlastete. Nachdem die Stadt ihren Kurs anfangs stur beibehalten hatte, dürfte in den vergangenen Wochen der Groschen gefallen sein, dass dieser Prozess auf öffentliche Kosten nicht zu rechtfertigen ist. Was bleibt: ein beinahe ruinierter Architekt und ein Pfusch auf Kosten der Steuerzahler, über den die Stadt Stillschweigen verhängt hat, statt ihn lückenlos aufzuklären.


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