Film Neu im Kino

Mr. Right mit kleinen Makeln

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 35/16 vom 31.08.2016

Kann es sich ein Geschäftspartner nicht verkneifen, über seine Körpergröße zu schmunzeln, springt der nur 1,36 Meter große Alexandre schon mal auf seinen Stuhl und explodiert - gefolgt von einem entschärfenden Witzchen. Der gut situierte Architekt hat es nicht leicht, sein Umfeld aber auch nicht. Als die zumeist in Streitereien mit ihrem Exmann und Kanzleipartner Bruno verstrickte Anwältin Diane Alexandre kennenlernt, ringt sie mit ihrer politischen Korrektheit - seine Kleinheit darf sie nicht stören. Einige abenteuerliche Dates später hat sie sich verliebt. Zu ihrem Partner zu stehen bereitet ihr allerdings Schwierigkeiten.

Mit "Mein ziemlich kleiner Freund", einem Remake des argentinischen Films "Corazón de León" (2013), hat Laurent Tirard eine Liebeskomödie geschaffen, die sich überraschend realistisch mit Vorurteilen und Wunschvorstellungen auseinandersetzt. Beide Liebenden leiden: er unter seiner nicht veränderbaren Größe, sie unter dem Urteil ihrer Umwelt und dem Druck, Alexandre nicht zu verletzen. Dieser von Virginie Efira und einem per Tricktechnik geschrumpften Jean Dujardin sorgfältig auf die Leinwand gebrachte Schwebezustand bildet den interessanten Kern des Films. Aufgelockert wird er durch überzeichnete Randfiguren: Wirken die schrullige Assistentin und der fiese Bruno gar gekünstelt, zeichnet sich mit Dianes Mutter, die Alexandre ablehnt, ihren eigenen hörbehinderten Mann aber als vollkommen "normal" einstuft, am stärksten ab, dass es in Tirards Film um Scheuklappendenken im Allgemeinen geht -und noch mehr gehen könnte. Davor allerdings nimmt die Geschichte eine märchenhaft-romantische Wendung, die das Publikum -auch das kein unspannender Aspekt -gleichzeitig erwünscht und bezweifelt.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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