Landpartie

Erlebnisse fürs Wochenende

Landleben | BARBARA TÓTH | aus FALTER 35/16 vom 31.08.2016

Es gibt sie noch, die Orte, die sich gegen das Wirtshaussterben stemmen. Einer davon ist das niederösterreichische Wolfpassing am Fuße des Wienerwaldes, dort, wo er in die Tullner Ebene übergeht. Im Frühjahr hat hier der junge Patrick Friedrich die Pacht des Gasthauses Figl übernommen. Es findet sich leicht, an der einzigen ampelgeregelten Kreuzung des Ortes. Das geschah sehr zum Wohlwollen der alten Wirtsleute, mit dem berühmten ÖVP-Außenminister Leopold Figl tatsächlich verwandt, die alles, nur keinen der hier üblichen austrofizierten Dorfgriechen, -italiener oder -chinesen in ihr Haus einziehen sehen wollten.

Friedrich wuchs in der Schweiz auf und spricht noch nicht den lokalen Dialekt, trotzdem macht er sich als Nachwuchsdorfwirt bestens. Er räumte das alte Wirtshaus behutsam auf und behielt die wunderschöne Schank. Auch die Karte ist eine gelungene Symbiose aus Dorfwirtshaus und anspruchsvoller Landküche. Schließlich lernte Friedrich in der nahegelegenen Gastwirtschaft Floh, im Orlando di Castello in Wien und zuletzt beim Weingut Hutter bei Krems. So gibt es Schweinsschnitzerl, aber auch Kalbs-Roastbeef mit eingelegten Eierschwammerln und Kapuzinerkresseblüten drauf. Das Schankachterl kostet unter zwei Euro, der Sekt aus Krems das Doppelte. An der Schank stehen die Funktionäre der lokalen Feuerwehr, in der Ecke sitzen erwartungsvolle Wiener Foodies. Alles in allem eine Mischung, die passt.

INS GASTHAUS FIGL NACH WOLFPASSING

Warum dorthin? Weil das Figl zeigt, wie ein modernes Dorfwirtshaus funktionieren kann. Sonntag ist übrigens Bratentag Und davor? Eine geführte Tour durch den Garten des Stiftes Klosterneuburg machen (sonntagvormittags)


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