Menschen

Gürtel Calling!

LUKAS MATZINGER, JOSEF REDL, BARBARA TÓTH | Kolumnen/Zoo | aus FALTER 35/16 vom 31.08.2016

Einmal im Jahr, wenn der Sommer zur Neige geht, versucht sich der Wiener Gürtel vom schlechten Image reinzuwaschen, das ihm übers Jahr aufgepickt wurde. Seit 1999 veranstalten viele Lokale entlang des Gürtels den sogenannten Nightwalk und sind für einen Samstag der städtische Schaukasten der Musik und der gepflegten Rock-'n'-Roll-Party. Nebst den Lokalen Chelsea, Rhiz, B72 und dem Loop stehen Open-Air-Bühnen, auf denen vor allem Wiener Bands bei brachialem Sound und freiem Eintritt spielen. Die paar tausend Zuseher und -hörer wandern den Gürtel auf und ab und bleiben stehen, wo's ihnen gefällt. Heuer konnten das unter anderen die Wienerlied-Experimentalforscher Wiener Blond, die rohen Rocker Bulbul und Crispies oder die FM4-Musik machenden Gin Ga gewesen sein. Ein sicheres Highlight passierte um 21 Uhr neben dem Chelsea, wo die einzig wahre Clash-Coverband The Clashinistas die Bühne betrat. Und prächtig lieferte. Dem Journalisten, Autor, Musiker und seit Jahrzenten Nichtnur-Szene-Großen Rainer Krispel beim Singen der alten Clash-Hadern zuzuhören ist noch immer ein Fest für Augen und Ohren.

Im Thermalbad von Bad Vöslau residiert des Sommers die Journalistin und Angelika Hager als Impresaria. Vor fünf Jahren hat sie den "Schwimmenden Salon" aus der Taufe beziehungsweise dem Heilwasser gehoben. Seitdem können Vöslau-Besucher großes Theater auf einer kleinen Bühne im groIm Thermalbad von Bad Vöslau residiert des Sommers die Journalistin und Kolumnistin Angelika Hager als Impresaria. Vor fünf Jahren hat sie den "Schwimmenden Salon" aus der Taufe beziehungsweise dem Heilwasser gehoben. Seitdem können Vöslau-Besucher großes Theater auf einer kleinen Bühne im großen Naturbecken erleben. Am Freitag gaben Burgschauspielerin Maria Happel und Christoph Grissemann Loriot-Texte zum Besten. Es war ausverkauft. Das Publikum in Vöslau ist übrigens so kultiviert, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist, Sitzplätze mit dem Handtuch zu reservieren. Weshalb auch für Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann ein Platz freiblieb.

Manche teilen sich einen Waschraum, andere eine ""wineBANK". Also einen Weinkeller. Diese eher exklusive Sharing-Idee kommt aus Deutschland und hat in Wien nun ihre erste "Location" gefunden. Gleich hinter dem Stephansdom, tief im Keller des sogenannten Kipferlhauses, haben Immobilienmenschen ein mittelalterliches Gewölbe zu einem wunderschönen Weinkeller eingerichtet. Er ist nur für Clubmitglieder zugänglich. Diese können dort dann nicht nur ihre unter perfekten Bedingungen gelagerten Weine trinken und dabei den in einem Nebengewölbe gelagerten Käselaiben des Vorarlberger Käsemachers Anton Sutt erlüty zuschauen, sondern auch spontan kleine Feste und Verkostungen organisieren. Der Delikatessenhändler Buongustaio stellt dafür feine Würste und Käse zur Verfügung. Der Kremser Winzer Reinhard Winiwarter zum Beispiel besitzt eines der kunstvoll geschmiedeten Weinfächer hier und lud vergangenen Mittwoch zu einer Verkostung seiner Weine, die er der Einfachheit halber durchnummeriert. wineBANK-Geschäftsführer Gerhard Strasser nutzte die Gelegenheit für eine Führung durch die alten Gewölbe. Ein paar Fächer sind noch frei.


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