Nietzscheanische Höhenjodler

Wer auf dem Semmering Pilze sucht, findet dort Raritäten, etwa die Uraufführung eines Stücks von Anton von Webern


EXPEDITION: MATTHIAS DUSINI
Feuilleton | aus FALTER 35/16 vom 31.08.2016

Der Schwammerlsucher entdeckt in Semmering zufällig ein Plakat, das die Uraufführung eines Stücks des Komponisten Anton von Webern (1883-1945) ankündigt. Eine Uraufführung? Und seit wann schrieb der berühmte Zwölftöner Dramen? Schon ist das Pilzsackerl im Hotel deponiert und die Theaterkarte reserviert. Der Autor und Ö1-Moderator Otto Brusatti inszenierte "Tot -Sechs Bilder für die Bühne" im Kurhaus Semmering, einem gewaltigen Kasten der Zeit um 1900.

Weberns 1913 verfasstes Skript ist ein metaphysischer Gipfelsturm voller naturmystischer Überhänge und expressionistischer Jodler. "Tot" erzählt die Geschichte von Eheleuten, die den Tod ihres Kindes betrauern. Das von Anna-Sophie Fritz und Bernhard Majcen verkörperte Paar schwärmt auf einer Bergtour von der heilenden Kraft der Blumen und sinkt auf dem Friedhof auf die Knie.

Liegt es an der Dämmerung, die sich allmählich in dem ehemaligen Grandhotel ausbreitet, dass die Besucher mucksmäuschenstill bleiben? Anfänglich wandert

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