Dann soll doch das Los entscheiden!

Der belgische Historiker David Van Reybrouck sieht die Fixierung auf Wahlen als Ursache für die Demokratiekrise -und überzeugt nicht ganz

REZENSION: RUDOLF WALTHER | Politik | aus FALTER 35/16 vom 31.08.2016

Der belgische Historiker und Archäologe David Van Reybrouck geht aufs Ganze mit seiner These: "Wir sind dabei, unsere Demokratie kaputt zu machen, indem wir sie auf Wahlen beschränken, und das, obwohl Wahlen nie als demokratisches Instrument gedacht waren."

Nicht erst mit dem Blick auf das postdemokratische Berlusconi-Italien kann jedermann wahrnehmen, dass es um die parlamentarisch-repräsentative Demokratie überall schlecht bestellt ist: Die Wahlbeteiligung sinkt ebenso so schnell wie das politische Vertrauen in Politiker und Demokratie, d.h. in die Parteiendemokratie.

Parteien sollen, wie es im deutschen Grundgesetz heißt, bei "der politischen Willensbildung des Volkes mitwirken"(GG Art. 21), aber längst sind aus orchestral Mitwirkenden selbstherrliche Dirigenten geworden, obwohl im EU-Durchschnitt nur 4,65 Prozent der Wähler einer Partei angehören. Der Diagnose, die Van Reybrouck der Parteiendemokratie stellt, kann man nur zustimmen.

Van Reybroucks These ist also plausibel und empirisch

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