Landrand Ruralismus

Wiederentdeckung der Sommerfrische

Landleben | Barbara Tóth | aus FALTER 35/16 vom 31.08.2016

Zweitausendsechzehn ist das Jahr der Wiederentdeckung der Sommerfrische. Suchte man nach einem Ort, der diese These am besten illustriert, dann wäre es Bad Gastein. Eben noch war es ein vergessener k.u.k. Urlaubsort, plötzlich ist es ein Kultplatz, dessen morbider Alpincharme in deutschen Feuilletons besungen wird.

Sommerfrische heißt nicht nur, Bergen, Wiesen und Seen den Vorzug vor Sonne, Strand und Meer zu geben. Es ist eine eigene Lebensform. Man verlegt seinen Lebensmittelpunkt für ein paar Wochen aufs Land, bleibt aber trotzdem zu Hause. Weil man gleichgesinnte Freunde trifft, die auch auf Sommerfrische sind. Weil der eine mit den Kindern auf dem Land bleibt, während der andere zurück nach Wien arbeiten fährt. Und so aus drei Urlaubswochen am Ende vier oder gar fünf werden. Weil man sich nur ein bisschen ausklinkt. Weil man die eigene Kindheit nachspielt. Mal wieder Schwammerln suchen geht und sie gleich am Abend verkocht. Nach Seemuscheln taucht. Einen Berg erobert. Weil man ein Buch ausliest. Und dann noch eines.

Das ist alles so unspektakulär, dass es in Summe schon wieder fantastisch ist.


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