Elf Monate mit Fatima

Sie kam als Flüchtling. Heute ist sie eine Freundin. Das Jahr war aufregend. Aber gut, dass der Zufall uns zusammengebracht hat

Politik | PROTOK OLL: SIBYLLE HAMANN | aus FALTER 35/16 vom 31.08.2016

Diese Geschichte beginnt mit dem Foto von drei Paar Kinder-Winterstiefeln. Hugo, unser Hausarzt, hatte sie gekauft. Hugo ist ein grundgütiger, unkomplizierter, kinderloser Mann mittleren Alters. In seiner Ordination, gleich bei uns um die Ecke, gibt es ein selten genütztes Infusionszimmer. Dort hatte Hugo eben eine syrische Familie einquartiert, Mutter, Vater, drei kleine Kinder, und den Stiefelkauf stolz auf Facebook präsentiert.

Das war Anfang Oktober vergangenen Jahres, im Flüchtlingsherbst, es war sonnig und warm. Ein bisschen Müdigkeit hatte sich da schon in der Nachbarschaft breitgemacht. Den ganzen September hindurch waren atemlose Menschen gekommen und gegangen. Jedes Mal: ein Abendessen, eine Dusche, eine Nacht im Arbeitszimmer, Vornamen, Handyfotos. Man gab ihnen eine Jacke mit, einen Rucksack, ein Lego-Auto, gute Wünsche. Zurück ließen sie kaputte Sandalen, Facebook-Adressen mit blumigen Profilen und das vage Versprechen, sich zu melden, wenn sie in Deutschland angekommen


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