Gemma schlachten, Kinder!

Kinder sollen wissen, wo ihr Essen herkommt. Auch und gerade dann, wenn sie tote Tiere essen

STADTLEBEN | ERLEBNISAUFSATZ: SIBYLLE HAMANN FOTOS: CHRISTOPHER MAVRIČ | aus FALTER 36/16 vom 07.09.2016


Foto: Christopher Mavrič

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Die Kinder essen gern Würsteln. Sie mögen Industriewürsteln, wie man sie im Schwimmbad kriegt, beim Billa oder zu Kindergeburtstagen. Aber feinere Würsteln mögen sie, Gott sei Dank, ebenfalls. Zum Beispiel die Würsteln, die wir von den Wiesners bekommen haben, den wunderbaren Schweinebauern im Weinviertler Wischathal. Heute gibt es Debreziner, fein gewürzt, ein Hauch Pfeffer, ein Hauch Paprika. Dazu Fisolen und Erdäpfel.

Die Kinder, zehn und 13 Jahre alt, essen die Würsteln ein bisschen langsamer als sonst. Beinahe andächtig. Sie sagen Sätze, die sie über vollen Tellern normalerweise nicht sagen. Wie das Schwein wohl ausgesehen hat, von dem die Debreziner kommen? Ob es einen Namen hatte? Und ob es wohl sehr schlimm war, als es geschlachtet wurde? Morgen, Samstag, werden sie ein etwas genaueres Bild vom Leben und Sterben unseres Debreziner-Schweins haben. Denn morgen, Samstag, fahren wir ins Wischathal und töten einen seiner Brüder.


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