Landrand Ruralismus

Alles, was wir wollen, ist im Auto rumrollen

LANDLEBEN | aus FALTER 36/16 vom 07.09.2016

Fünfzylinder haben den besten Spruch. Wir Landburschen wissen das. Weil Fünfzylinder zweieinhalbmal pro Umdrehung zünden und die ungerade Frequenz dem stabilen Sinuston ein paar prächtige Oberwellen mitgibt, entsteht ein kerniger Sound, der so gegen 1900 Touren richtig schön spratzelt.

Weil Autos an einem Punkt in unserem Leben das Beste und Wichtigste waren und der Ottomotor die ultimativ geilste Erfindung überhaupt, wissen wir, welcher Landstraßen-Radarkasten wie großzügig eingestellt ist und an welcher unfassbaren Stelle der Mann, den sie Gärtner nennen, im Jahr 2004 mit 140 km/h einen BMW überholt hat.

Für Menschen auf dem Land war der Tag, an dem sie den Führerschein bekamen, der Beginn eines neuen Lebens. Ohne die Eltern zu fragen, zwei Stunden auf den Bus zu warten oder sich der Erniedrigung des Autostoppens auszusetzen, kommt man plötzlich in die Pizzeria des Nachbarorts. Ins Kino in der Bezirkshauptstadt. Einfach so.

Diese Freiheit ist nicht zu fassen und nicht zu erklären. Wenn sich dann noch das eigene Auto als ernstzunehmendes Asset in der Brunft herausstellt, erfährt das Dasein ganz neuen Sinn.


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