Punkterl Die Glosse vom Falter

MEINUNG | aus FALTER 36/16 vom 07.09.2016

In Russland kam ein 21-jähriger Blogger in U-Haft. Er könnte ein paar Jahre einsitzen, wenn sich der Vorwurf der Volksverhetzung und jener der Verletzung von religiösen Gefühlen bestätigt. Der mutmaßliche Schuft hat schwer gesündigt. Er spielte in einer orthodoxen Kirche in Jekaterinburg Pokémon Go.

Klar, könnte man jetzt von einem liberalen theologischen Standpunkt argumentieren, dass Gott so etwas nicht verboten habe, expressis verbis steht in der Bibel kein Wort von Pokémon Go. Strenggläubige wiederum mögen einwenden, Moses, dem Gott die zehn Gebote ins Ohr flüsterte, habe das Smartphonespiel noch gar nicht gekannt. Es hätte ihn sowieso nicht interessiert, da keine Hand frei gewesen sei. Musste ja schwere Steintafeln den Berg runtertragen.

Wie der Prozess nun ausgehen mag, eines sollten die anderen Smartphonespieler aus dem Fall lernen: Die Bekämpfung von Monstern an religiösen Orten kann für Unbehelligte gefährlich sein. Nicht ohne Grund ist das nur ausgebildeten Exorzisten vorbehalten.


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