Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Jahrestage

WIR ÜBER UNS | AT | aus FALTER 36/16 vom 07.09.2016

Immer wieder das Rätsel Zeit. Manches, das man vor 20 Jahren las, interessiert heute niemanden mehr. Anderes bekommt eine unvermutete Aktualität. Unsere stark auf Jahrestage ausgerichtete Kulturpublizistik trägt dazu einiges bei. Klaus Nüchtern interviewte vor 20 Jahren aus Anlass des 100. Geburtstages von Heimito von Doderer den viel zu früh verstorbenen Germanisten Wendelin Schmidt-Dengler.

Hier sprachen zwei Kenner eines Werks, Nüchterns Kennerschaft kam auch in einem Doderer-Alphabet zum Ausdruck. Kein Wunder, dass er 20 Jahre später sein Buch "Kontinent Doderer" vorlegt, das im Herbst präsentiert wird (50. Todestag!).

Schmidt-Dengler kannte Doderer noch persönlich, wenn auch nicht sehr gut. Zustande kam die Bekanntschaft "durch meinen Schulfreund Wolfgang Fleischer, der sein Sekretär war. Ich war zwei-, dreimal bei ihm, und das waren immer sehr nette Gespräche. Das Erste, was mich Doderer gefragt hat, war:,Sie sind Germanist?' Und ich habe geantwortet: ,Ich studiere klassische Philologie', da hat er gesagt: ,Das ist schon gut.' Wir haben über Homer gesprochen, und es war ein wirklich tolles Gespräch. Es war interessant zu sehen, dass er eine sehr schöpferische Lektüre hatte, wenn er lesen wollte. Er hat ja nicht mehr viel gelesen. Literatur hat ihn in den letzten Jahren wenig interessiert."

Einen neuen Trend bemerkt der Falter vor 20 Jahren ebenfalls: "Der Markt für biologisch korrekte Ernährung boomt."

Und in der Politik stellte Thomas Seifert zwei idealtypische Jungpolitikerinnen vor, die in der kommenden Wien-Wahl ihre Parteien repräsentieren sollten. Einerseits die LIF-Repräsentantin Johanna Würth, eine 26-jährige Theologiestudentin. Sie posierte mit Laptop, Stadtverfassung und Kind (für entspannten Umgang mit Technologie, Rathausreform und Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf). Ihr Gegenüber, eine junge Umweltjuristin, 27, wählte Fahrrad (Verkehrspolitik), Pläne (Veränderung Wiens) und Schneekugel (Wiener Verhältnisse auf den Kopf stellen) als Symbole. Ihr Name: Eva Glawischnig.


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