Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Das beste Gratiskonzert der Welt der Woche

FEUILLETON | GERHARD STÖGER | aus FALTER 36/16 vom 07.09.2016

Es gibt durchaus Argumente gegen die vielen kostenlosen Popkonzerte, die Wien während der warmen Jahreszeit überziehen. Dafür allerdings auch. Das beste lieferte der Liedermacher Der Nino aus Wien zuletzt beim Abschluss der sommerlichen "Hofmusik"-Reihe im Museumsquartier mit einer mitreißenden Hitshow, die nicht nur Fans begeisterte. Die Beiläufigkeit des öffentlichen Raums sorgt ja gerne für Unaufmerksamkeit und ein Gewusel, das guten Konzerten nicht eben zuträglich ist. Ganz anders bei dem von seiner dreiköpfigen Band kongenial unterstützten Liedermacher, der immer noch wirkt, als sei er als Baby in den extragroßen Cannabistopf gefallen, tatsächlich aber zu den ausgeschlafensten und produktivsten Künstlerpersönlichkeiten der Stadt zählt.

Bühne gab es im MQ-Hof keine. Absolute Tuchfüllung verhindete nur die Entspanntheit des Publikums, das sich vor der Band auf den Boden setzte. Rundherum wuchsen die Menschentrauben konstant an, denn Ninos Charme konnten sich auch Zufallsflaneure nicht entziehen. Als der Auftritt mit einem Cover von Wolfgang Ambros' alter Drogenhymne "Du schwarzer Afghane" endete, stimmten sie alle in den Refrain ein: "Heroinspaziert, meine Herrschaften, heroinspaziert!"

Neben großen Songs sind es vor allem kleine Gesten, mit denen Der Nino aus Wien punktet: wenn er sich eine Lou-Reed-Sonnenbrille ins Gesicht schiebt, während ihm der Wanda-Gitarrist als Überraschungsgast kurz die Arbeit abnimmt, oder wenn er zum holprigen Beginn - der Techniker hatte den Konzertbeginn verschlafen - lapidar anmerkt: "Am Anfang hat man uns nicht gehört, oder? Na ja, habt's eh nichts versäumt." Wer diese Glanzstunde verpasst hat: Am 29.9. spielt Der Nino aus Wien im Stadtsaal.


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