Feierabend

STADTLEBEN, FALTER 36/16 vom 07.09.2016

Bedächtige Ruhe in jener 71er-Bim, die am frühen Dienstagabend den dritten Bezirk quert. Die Fahrgäste scheinen müde von langen Tagen im Büro. Niemand denkt daran, die wohltuende Stille zu brechen. Die einvernehmliche Ruhe des Feierabends. Bis dann. Bis zur Oberzellergasse. Ein junger Mann springt in den Waggon, die harten Techno-Beats aus seinen Kopfhörern beschallen jeden Winkel der Bim. Er dreht sich um, auf einem Bein, hüpft dreimal im Kreis und bellt lauthals Wortfetzen, die vage an Englisch erinnern. Akrobatisch springt er durchs Abteil. Der Neuankömmling feiert den Abend. Die Alteingesessenen, ihrer Glückseligkeit beraubt, starren ihn verstört an. Ein älterer Anzugträger bringt ein kraftvolles "Sch!" vor. Unerhört. Nach fünfminütigem Rave tanzt der Musikliebhaber unvermittelt aus der Straßenbahn. Stille löst ihn ab, als wäre sie nie weggewesen.

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FALTER 21/19
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