Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

F. KLENK | WIR ÜBER UNS | aus FALTER 36/16 vom 07.09.2016

Wenn eine Story zu groß war, um ignoriert zu werden, aber zu klein, um auf einer Falter-Seite ausrecherchiert zu werden, dann landete sie auf der sogenannten Schlussseite. Die Schlussseite wurde gehasst von den Politikredakteuren und vor allem vom "Schlussseiten-Heini", der sie zu betreuen hatte, zuletzt war das Nina Brnada.

Die Schlussseite war nämlich kleinteilig, man musste drei bis vier Geschichten recherchieren, ein großes Foto für die Rubrik "Nachgesehen" aufstellen und dann auch noch das Rätsel ("Wie wienerisch sind Sie?") komponieren. Kurzum: Der Aufwand, den die Schlussseite verursachte, war so groß, dass ich Sorge hatte, die Redaktion könnte bald ins Burnout rasseln.

Ich habe der Redaktion daher ein unwiderstehliches Angebot gemacht: Wie wär's, sagte ich, wenn ich jede Woche statt der Schlussseite eine Datenseite gestalte? Ich setze mich Woche für Woche mit dem Chef der Statistik Austria, Konrad Pesendorfer, zusammen und entlocke ihm die neuesten Zahlen. Denn die Politik, so sind wir uns ja alle einig, operiert viel zu selten aufgrund empirischer Befunde, vielmehr aufgrund plumpen Bauchgefühls.

Die Politikredaktion brach in Jubel aus ("Die scheiß Schlussseite ist weg!"), und Dirk Merbach, unser Artdirector, entwarf mit der Datendesignerin Manuela Heidenreich eine neue Seite. Und ich bin nun der Datenseiten-Heini. Nur Armin Thurnher, der in den Zeiten der Schlussseiten-Revolte an seinem soeben erschienenen Buch ("Ach, Österreich!") feilte, wunderte sich beim Blick auf den Seitenspiegel: "Wo ist die Schlussseite?" Äh, weg. Vorerst.


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