Erscheinungen Personen, Trends, Kampagnen

Die große Recherche über das Druckwerk

MEDIEN | WÜRDIGUNG: BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 36/16 vom 07.09.2016

Das Geburtstagsständchen wird noch ein Weilchen dauern. Vergangene Woche stimmte die Rechercheplattform Dossier ein kritisches Lied zum Zehn-Jahres-Jubiläum des Druckwerks Österreich an. Den Auftakt bildete ein Interview mit Österreich-Chef Wolfgang Fellner, das Dossier gemeinsam mit dem Falter führte. "Wir wollten Fellner zum Geburtstag gratulieren und dabei aufzeigen, mit wie viel Steuergeld sein Journalismus in Form von öffentlichen Inseraten unterstützt wird", sagt Dossier-Redakteur Georg Eckelsberger.

Seither liefert Dossier Tag für Tag ein Stück vom Boulevard. Welche Art Journalismus Fellner mit Österreich betreibt, zeichnete die Plattform anhand von Gesprächen mit ehemaligen und aktiven Mitarbeitern aus der Österreich-Redaktion nach. Sie beschrieben Fellner als einen, der seine Mitarbeiter "Trottel" und "Arschlöcher" schimpfe, den Druck hochhalte und manche gar in Weinkrämpfe treibe. Wie gnadenlos Österreich gegen Menschen anschreibt, illustriert Dossier am Fall der Tochter eines Ex-Kanzlers. Die damals Minderjährige wurde Ziel einer Österreich-Kampagne und fühlt sich noch Jahre danach tief getroffen. Fellner bezeichnet die Berichterstattung heute als "Fehler".

Einzelfall war es freilich keiner. Sechs Dossier-Journalisten arbeiteten drei Monate an der Recherche, blätterten sich in der Nationalbibliothek durch mehr als 2000 Österreich-Ausgaben und zählten über 25.000 Inserate. Noch in dieser Woche sollen weitere Ergebnisse ihrer großen Recherche zum Druckwerk folgen (im Internet: www.dossier.at). Mit ihrer peniblen Vermessung liefern sie schon jetzt eine beeindruckende Einordnung des österreichischen Boulevards im 21. Jahrhundert.


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