Voneinander lernen

Betrifft: "Die Kritikerinnen des Burkiniverbots " von B. Tóth, Falter 35/16

KARO STEINER Wien 13 | VON UNS AN UNS | aus FALTER 36/16 vom 07.09.2016

Danke für eure beherzte journalistische Arbeit und eure Frauensicht auf die Dinge, die Österreich zurzeit bewegen.

Zur Diskussion um "verschleierte Frauen" will ich gerne noch etwas beitragen. Ich habe beruflich (NGO) mit vielen verschiedenen Frauen/Müttern mit Kopftüchern (und mehr Verhüllung) zu tun gehabt. Unter diesen Kopftüchern gibt es eine genauso große Vielfalt an Köpfen und Hirnen wie unter westlich gestylten Frisuren!

Ich finde, das ist eine Diskussion, die wir uns sparen könnten. Mit Verschleierungsverbot kommen jene, die den Schleier tragen müssen -weil die Männer das einfordern -, gar nicht mehr auf die Straße. Das ist nicht feministisch! Wir tun in Österreich 2016

so, als wären die Frauen gleichberechtigt und alle könnten mit Nacktheit so cool umgehen. Dem ist nicht so. Hier sind die Unterschiede sehr groß. Und wenn ich mir ein Mädel mit 14 Jahren anschau, das sich - modebedingt - mit superkurzen Shorts und oben fast nichts in die U-Bahn setzt und daneben Teenager mit Kopftüchern, dann weiß ich nicht, wer mir mehr leidtut: Die wählen doch beide nicht freiwillig das Kleidungsstück, in dem sie sich am wohlsten fühlen!

Liegt die Wahrheit auch hier in der Mitte? Ich weiß es nicht. Ich wünsche mir, dass wir voneinander lernen. Wir in Österreich als westlichem Industriestaat haben viel ganz gut hingekriegt in den letzten 50 Jahren, das heißt aber nicht, dass wir nicht noch was dazulernen können.


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