Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Bitterlimo

Ein sanft wehmütiges Wermutgetränk aus Wien

STADTLEBEN | TS | aus FALTER 36/16 vom 07.09.2016

Ist Chinin eigentlich böse, selbst wenn man es wohldosiert einsetzt? Jedenfalls betonen die hiesigen Hersteller von wie.bitter ausdrücklich, auf den klassischen Bitterstoff verzichtet zu haben. Stattdessen hat sich in der Experimentierküche Wermutkrauttee als "optimale Bitterbasis" herausgestellt. Aber das blutrote Erfrischungsgetränk schmeckt nicht bloß nach Wermut. Nein, es schmeckt nach mehr, nach Wien angeblich: "Erfahren, nachdenklich und manchmal auch ein bisschen melancholisch."

Die wie.bitter-Homepage zeigt uns Gesichter von Menschen, nachdem sie sich einen Schluck aus der 0,33-l-Flasche gegönnt haben. Es sind freudige Gesichter. Aber da ist auch ein kleines Mädchen, dessen Miene uns sagen will: Dieser Saft, der schmeckt mir gar nicht! Und man kann sich gut vorstellen, dass der von überzuckerten Limos verzogene Nachwuchs mit dem "nachdenklichen" Geschmack von wie. bitter überfordert ist.

Doch wir, die reifen Erwachsenen, vom Schicksal nicht immer fürsorglich behandelt, wissen sie zu schätzen, diese "melancholische" Note. Und auch den Schwarze-Johannisbeer-Saft als dezenten Aromalieferanten. Ein wenig verwunderlich, dass wie. bitter als Alternative zu alkoholfreiem Bier angetragen wird. Es spricht zwar nichts dagegen, ist aber ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Trinken Sie wie. bitter einfach, wenn Sie Durst haben. Und Ihnen jedes Kracherl zu süß ist.

Rezensierte Getränke wurden der Redaktion fallweise umsonst zur Verfügung gestellt


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