Seinesgleichen geschieht Der Kommentar des Herausgebers

Die hundert Tage des Christian Kern und das Leiden seiner Kritiker


VON ARMIN THURNHER
THURNHER | aus FALTER 36/16 vom 07.09.2016

Also gut, hundert Tage Christian Kern. Neuerdings wirft man dem Kanzler Populismus vor, weil er gegen TTIP und CETA ist. An dieser Stelle wurde er kritisiert, weil er mit der Türkei Klartext reden will. Eine Mitgliederbefragung in der SPÖ, die er vorgeschlagen hat, wird ebenfalls als populistisch bekrittelt. Und nun schafft er das Ministerratsfoyer ab und stiehlt Journalisten dafür den Samstag (Seite 12).

Der Begriff Populismus ist problematisch. Er wird seit Jahrzehnten international diskutiert, es gibt eine breite Spannweite von Interpretationen. Kluge Kritikerinnen verteidigen ihn, ebenso kluge Kritiker lehnen ihn als antidemokratisches Gift ab.

So wie "Populismus" in der österreichischen Debatte gebraucht wird, bedeutet er gar nichts. Oder höchstens, dass Leute, die sich professionell an ihr Publikum anbiedern, anderen vorwerfen, das Gleiche zu tun.

Wie jeder zeitgemäße Politiker gerät Christian Kern in ein Dilemma. Er muss auf mediale Wirkung abstellen, niemand, der heute Politik

  1150 Wörter       6 Minuten
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