Am Apparat Telefonkolumne

Fürchtet sich der ORF vor der FPÖ, Frau Streeruwitz?

POLITIK | ANRUF: B. NARODOSLAWSKY | aus FALTER 36/16 vom 07.09.2016

Schriftstellerin Marlene Streeruwitz schreibt gerade einen Fortsetzungsroman zur Bundespräsidentschaftswahl. Der ORF-Sender Ö1 interviewte die österreichische Intellektuelle deshalb für einen politischen Beitrag im "Morgenjournal". Er wurde dort allerdings nicht ausgestrahlt. Ö1 erklärt, der Beitrag sei aus Gründen der "journalistischen Qualität" abgelehnt worden.

Frau Streeruwitz, was haben Sie denn gesagt, was die "journalistische Qualität" vermissen ließ?

Ich sprach über die Auswirkungen des Autochthonie-Konzepts der FPÖ auf meine Romanfigur. Die Mutter von der Vroni -der Hauptfigur - hätte nach dem Konzept der FPÖ zum Beispiel kein Anrecht auf Arbeitslosenversicherung, weil sie keine "Eingeborene" ist.

Warum bat Ö1 Sie um ein Interview?

Das Interview wurde für einen Beitrag zur Wahlauseinandersetzung aufgenommen, weil es in meinem Roman um die Entscheidung zwischen Demokratie und Staat der "Eingeborenen" und "Nichteingeborenen" geht. Derzeit sehe ich nicht, dass es diese Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit gibt.

Warum, glauben Sie, wurde der Beitrag nicht im "Morgenjournal" ausgestrahlt?

Wie drückt man das vornehm aus, wenn es um Hosenscheißerei geht?

Wie hat es die FPÖ geschafft, dass sich Institutionen vor ihr fürchten?

Die FPÖ positioniert sich als von liberaler Politik verfolgte Minderheit. Sie spielt die Opferrolle. Sie nützt nun alle Errungenschaften der Liberalität, um sich in ihrem Kampf durchzusetzen. Es geht ihr darum, mit der freien Rede die freie Rede zu eliminieren. Es geht ihr darum, mit Gewaltlosigkeit die Gewalt zu etablieren. Es geht ihr um einen Umbau gegen das Ist, mit den Mitteln, die gerade sind. Das ist antidemokratisch.

Ihr Beitrag wurde auf Ö1 letztlich in der Kultur gespielt. Warum dort?

Es gibt ein ständisches Denken. Wir vermischen nichts. Künstler dürfen in der Kultur herumturnen, aber nicht in der Politik Kritik üben. Dadurch verstummt die Kritik.


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