Am Apparat Telefonkolumne

Wieso dürfen 126 Schüler nicht in die Schule, Herr Schlögelhofer?

INTERVIEW: TOBIAS HOLUB | Politik | aus FALTER 37/16 vom 14.09.2016

Mit 8. September hat der oberösterreichische Landesschulrat ein Schreiben datiert, das "außerordentlichen SchülerInnen" das freiwillige 10. Schuljahr, etwa an Neuen Mittelschulen, verweigert. Drei Tage vor Beginn des neuen Schuljahres in Oberösterreich.

Herr Landesschulinspektor Schlögelhofer, wer sind überhaupt "außerordentliche SchülerInnen"?

Das sind Schüler, welche die Unterrichtssprache, also Deutsch, nicht ausreichend beherrschen, um dem Unterricht folgen zu können. Wir unterscheiden dabei nicht, ob es sich etwa um Asylwerber oder Binnenmigranten aus anderen EU-Ländern handelt.

Wie viele Schülerinnen und Schüler sind von dem Schreiben betroffen?

126 im ganzen Bundesland Oberösterreich.

Und warum dürfen sie plötzlich kein freiwilliges zehntes Schuljahr mehr absolvieren?

Weil das Bildungsministerium den entsprechenden Paragrafen im Schulunterrichtsgesetz nachgeprüft hat.

Demnach haben außerordentliche Schüler diesen Status maximal ein Jahr lang. Steigen sie im neunten Schuljahr ein, ist zu Beginn des zehnten ihr Status abgelaufen. Direkt ins zehnte können sie im Gegensatz zu ordentlichen Schülern grundsätzlich nicht einsteigen.

Darauf kommt man drei Tage vor Schulbeginn?

Das Ministerium hat erst Ende August das besagte Rundschreiben ausgeschickt, den Grund für diesen Zeitpunkt kann ich nicht eruieren.

Was sollen die 126 betroffenen Schülerinnen und Schüler in den nächsten Monaten machen, wenn sie nicht in die Schule gehen dürfen?

Wir bemühen uns, sie in kostenlosen Sprachkursen unterzubringen. Dort erlernen sie zwar nicht alle Kompetenzen eines Pflichtschulabschlusses, aber das wäre in ein bis zwei Schuljahren allein auch nicht möglich gewesen. Den Großteil der Betroffenen konnten wir aber noch nicht vermitteln.


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