Mucho Mochi

Wenn eine Bank eine Kantine macht, muss das nicht fad sein. Beweist das Iki

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 37/16 vom 14.09.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Prolog: Die Macht und das Essen. Nachdem man in Mitteleuropa und speziell in Ostösterreich ja ein bisschen zum Neidvollen neigt, zeigen sich jene, die bekanntermaßen Geld und Macht besitzen, nur sehr ungern beim Genuss von gutem Essen. Das trifft auf Politiker ebenso zu wie auf Banker. Weil der österreichische kleine Mann hält zwar viel aus, Dienstwagen, Pensionsbezüge, Boni und Kontakte zur Privatwirtschaft, aber Restaurantbesuche – das geht zu weit. Weshalb Banken ihren Mitarbeitern nicht selten eigene Restaurants zur Verfügung stellen, die Kantine der Schoellerbank etwa war legendär, die Erste ließ sich mit dem Terrassenlokal am Graben auch nicht lumpen. Prolog Ende.

Nachdem die Erste Bank all ihre Departments im sogenannten Erste Campus zusammengefasst und damit so etwas wie ein eigenes Grätzel im neuen Hauptbahnhof-Viertel generiert hatte, entschied man sich, die gastronomische Versorgung einerseits Anbietern von außen zu überlassen (etwa das Campus Bräu), andererseits die selbst betriebenen Kantinen auch öffentlich zugänglich zu machen. Wie zum Beispiel beim vorige Woche eröffneten Iki der Fall.

Beim Iki wurde klug vorgegangen: Man engagierte das derzeit erfolgreichste Lokal des Wiener Universums, das Mochi, als Consulting-Unternehmen, das den Leuten von der EB Restaurantbetriebe Ges.m.b.H. offenbar erklärte, was ein Lokal nicht nur gut, sondern auch ein bisschen geil macht. Also indem die Köche in der riesigen offenen Küche wirklich tolle japanische Stirnbänder umgebunden haben, der Service extra-freundlich und sympathisch ist und auf der Speisekarte lauter Sachen stehen, die man genau jetzt gerne essen würde. Das Corporate Design legte man Bureau F
in die Hand, die Gestaltung dieses – extrem! – großzügig angelegten Lokals mit ganz viel Licht und ganz viel Fliesen und unendlicher Raumhöhe erledigte das Architekturbüro Atelier Heiss.

Die Karte ist klein, es gibt jede Woche zwei Bentō-Boxen und dazu ein paar Standards. Grünes wie Edamame (frische Sojabohnen in Schale) mit Kren und Meersalz, Pimientos del Padrón, Spinatsalat mit Sesam-Dressing oder Ponzu Wakame, eine wirklich herrliche Mischung aus Seetang, Gurke, Avocado, Miso-Marinade – nussig, cremig, würzig, grün (€ 6,50). Der Grüne-Papaya-Salat mit Limetten-Chili-Dressing mag nicht so authentisch sein wie mit Fischsauce und fermentierten Krabben – aber schlechter halt auch nicht (€ 6,50). Surf & Turf Roll klingt zwar schrecklich und sieht auch nicht gut aus, die Reisrolle mit Carpaccio oben drauf und knuspriger Softshell-Crab, Avocado und Gurke drin schmeckt aber leider arg gut (€ 13,–), Miso-Ramen mit Karfiol, Erbsenschoten, Zwiebeln, süß-sauren Pilzen und kernweichem Ei großartig (€ 9,50). Man kann sich durchaus vorstellen, bei der Ersten arbeiten zu wollen.

Resümee:

Die Bank, die sich von Mochi beraten ließ, um eine asiatische Kantine zu machen – die glücklicherweise für uns alle offen ist.

Iki
10., Am Belvedere 1
Tel. 050100-13600
Mo–Fr 11–22.30 Uhr (während des Softopenings reservieren)
www.iki-restaurant.at


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