Katharinas Nachtwache Was in Wiens Partyszene passiert - Veranstaltungen im Überblick

Die Küche als Klangerzeuger

Lexikon | Katharina Seidler | aus FALTER 37/16 vom 14.09.2016

Elektronische Musik entsteht aus der Verbindung von Strom, Kabeln und guten Ideen, so weit unsere eigene, laienhafte Erklärung. Um diese Prozesse nur ja nie zu vergessen, kann man sich Jahr für Jahr eine Frischzellenkur bei der Linzer Ars Electronica abholen. Zu Installationen aus röhrenden Seifenblasenmaschinen und magnetischen Metallwürmchen setzt das Abendprogramm auch auf elektronische Klangperformances. Neben den bunten Synthesizern etwa von Pulsinger&Irl oder den audiovisuellen Emulationen von Jerobeam Fenderson sieht man in der Linzer Post-City den kanadischen Künstler Navid Navab einen Küchentisch bespielen. Der Tisch scheint ebenso wie seine Messer, Schneidbretter, Kochtöpfe und eigenen Gliedmaßen auf magische Weise verkabelt zu sein; Überkopfkameras machen die Vorgänge sichtbar. Das Zerteilen eines Huhns wird so zur hörbaren Operation, das Zermörsern von Gewürzen zum brutalen Beat. "Practices of Everyday Life", so der Titel der Arbeit, in Musik verwandeln - schöner können wir uns elektronische Kunst kaum vorstellen.

VORSCHAU

DONNERSTAG (15.9.): Im Fluc startet das Festival Ohm Sweet Ohm im Zeichen von markdurchdringendem Noise, schemenhafter Electronica und kühlem Minimal Wave von Hex und Pure Ground. Unten in der Fluc Wanne sind mit Edo G, Reks und Artifacts drei Acts der US-Hip-Hop-Eastcoast zu Gast, und im Rhiz bringt die Hamburger Band Die Heiterkeit ihren existenzialistischen Pop zur Aufführung.

FREITAG: Blondage aus Dänemark gratulieren der Musikplattform Ink Music im Wuk mit dunklem Synth-Pop zum Geburtstag. Der japanische Produzent Kez YM kleidet das Sass bei den Spritzwein Sessions in feinsten House-Zwirn, Pireli &D-Bo und Esrap eröffnen die Wienwoche im Werk X mit Balkan-Pop und Rap, und der Münchner Disco-Direktor Dompteur Mooner schwingt gemeinsam mit Rita Arsenal die Glitzerpeitsche beim Zirkus Maximus im Celeste. Im Werk ist verfrühte Techno-Weihnachtsparty in Schwarz und Regenborgenfarben, und R'n'B, Rap, Pop und Bass Music sind im Club Titanic gemeinsam On Fleek.

SAMSTAG: Im Areal der Pratersauna und des Clubs VIE i PEE ist die Afterparty der MQ Vienna Fashion Week u.a. mit Techno und House von Tiefschwarz. Das Streetlife Festival klingt im Café Leopold mit Hip-Hop, Grime und Bass von P.Tah &Con aus, während im Werk bei United Colors of Beton der Techno von The Analog Roland Orchestra regiert. seidler@falter.at


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