Stadtrand Urbanismus

Von Institutionen, die keiner nutzt


Birgit Wittstock
Stadtleben | aus FALTER 37/16 vom 14.09.2016

Gerne rühmt man sich in dieser Stadt der Wiener Institutionen. Meist aber wird dieser Titel posthum verliehen, also dann, wenn sie zusperren, denn die Wiener huldigen ihren Institutionen oft lieber aus der Ferne. Und dann, wenn es zu spät ist, weil die Betreiber von den vielen gedachten Nettigkeiten allein halt nicht leben können, heißt es: "Mah, ewig schad', dass der weg is'!" Gerade erst war das wieder der Fall: Das Traditionsfeinkostgeschäft Böhle in der Wollzeile ging in Konkurs, und wieder wurde im Nachruf das Ende einer Wiener Institution beklagt. Traurig, aber es ist halt nun einmal so, dass Spartenprogramme nicht die breite Masse anziehen.

Nächstes schmerzliches Beispiel: die Breitenseer Lichtspiele, nicht nur Wiens ältestes, sondern eines der ältesten noch immer bespielten Kinos überhaupt. Weltweit. Gut, cineastische Schmankerln wie Stummfilme mit Live-Klavierbegleitung mögen nicht mehrheitsfähig sein -perfekte Hipsterunterhaltung ist das aber allemal. Trotzdem haben sich die Besucherzahlen im vergangenen Jahr halbiert. In Wahrheit sind die sogenannten Wiener Institutionen nämlich meist nur noch schöne Erinnerungen.


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