Kommentar Bundesgärten

Erntedankfest im Augarten: Wie ein Elefant im Porzellanladen


MATTHIAS DUSINI
Falter & Meinung | aus FALTER 37/16 vom 14.09.2016

Die ehemalige Direktorin der Bundesgärten Brigitte Mang musste gehen, an ihre Stelle trat Gottfried Kellner, der Direktor der Gartenbauschule Schönbrunn (siehe auch S. 41). Kaum ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Wer am letzten Wochenende im Augarten bei dem von den Österreichischen Jungbauern veranstalteten Erntedankfest war, konnte sehen, wie die neue Leitung mit dem kulturellen Erbe umgeht.

Unter den Augen von Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) bliesen Öfen und Stromaggregate heiße Luft in die Baumkronen, ein Fahrzeug knickte einen Baum um, die Kastanienalleen verwandelten sich in Pkw-Parkplätze. Zwar beteuert Kellner, der verdiente Manager einer angesehenen Bildungseinrichtung, dass keine größeren Schäden entstanden seien, aber man muss kein Experte sein, um die Misere zu erkennen: Wie beim Ice Cream Festival Mitte August im Burggarten verwandelte sich ein denkmalgeschützter Grünraum in eine Partymeile, eine riesige technische Infrastruktur zwängte sich in ein Biotop -wie ein Elefant in den Laden des benachbarten Augarten-Porzellan.

Da soll sich noch wer auskennen. Statt ewige Werte zu vertreten, opfern die Konservativen ein barockes Kunstwerk einer Show. Auch die Grünen haben ein Problem mit ihrer Selbstdarstellung. Während die alternativen Bezirkspolitiker gegen die Ökosünde protestierten, kam ihr Präsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen auf Stimmenfang vorbei. Von Kellner selbst war ohnehin wenig professionelle Distanz zu erwarten. Seine Schule präsentierte sich im rustikalen Rawumms mit einem eigenen Informationsstand.


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