"Wien war einmal sexuelle Avantgarde"

Die Schau "Sex in Wien" führt in das widerständige Reich der Lust, das in Wien trotz aller Verbote erblühte

Feuilleton | INTERVIEW: NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 37/16 vom 14.09.2016


Die 'Sexpo 1971' im Wiener Künstlerhaus (Foto: Imagno / Votava  / picturedesk.com)

Die ‘Sexpo 1971’ im Wiener Künstlerhaus (Foto: Imagno / Votava / picturedesk.com)

Feine Herren locken mit Handzeichen und Geldscheinen, die Damen zeigen tiefe Dekolletees, im Hintergrund steht die Pestsäule. Der Kupferstich „Der Schnepfen-Strich am Graben“ von 1784 zeigt unverblümt die Geschäftsanbahnung zwischen Freiern und Prostituierten im Herzen von Wien. Ganz anders heute: Das Foto einer verlassenen Kreuzung im 21. Bezirk dokumentiert die Verdrängung des Straßenstrichs an den Stadtrand. Die Ausstellung „Sex in Wien. Lust. Kontrolle. Ungehorsam“ im Wien Museum erforscht, wie der Geschlechtstrieb in der werdenden Weltstadt ausgelebt, ausspioniert, kanalisiert und verfolgt wurde. Kaiser, Kirche und Kommune versuchten unter wechselnden Vorzeichen, des Treibens der Städter Herr zu werden, und zogen doch meist den Kürzeren. Mit der Schau wird erstmals ein kritischer Überblick geboten, der den Voyeurismus seines Themas mitbedenkt und die Erkenntnisse von feministischer und queerer Forschung miteinbezieht.

Falter: Herr Bunzl, wie geil ist Wien?


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