Kippenberger im Kunstforum: Des Legasthenikers Liebe zu den Buchstaben

Feuilleton | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 37/16 vom 14.09.2016

Als Manager des Berliner Punkclubs SO36 trug Martin Kippenberger 1978 stets Anzug. Im Sakko wollte er die Anarchos mit New Wave und Kunst beglücken; für hohe Bierpreise gab es dann allerdings eins auf die Nase. In seinem Bild "Dialog mit der Jugend" verewigte sich "Kippi" mit Kopfbandagen -nur eines von hunderten Selbstporträts, nur eine von zahllosen Anekdoten über einen Getriebenen, der immer "B" sagte, wenn ihm ein "A" vorgemacht wurde.

Aber was ist das künstlerische Vermächtnis Kippenbergers, der 1997 in Wien mit nur 44 Jahren verstarb und dessen Gemälde heute Millionen kosten? Kuratorin Lisa Ortner-Kreil rollt das riesige Œuvre vom Anfang, dem Umgang mit Sprache her auf. Tolle Leihgaben legen Kippenbergers Wurzeln im Dadaismus offen.

Der Künstler liebte wie die Avantgardisten das vordergründige Blödeln, das Jonglieren mit Assoziationen und aus dem Kontext gerissenen Fragmenten.

Dass der Legastheniker zu den findigsten Erfindern von Werktiteln - etwa seiner Installation "Jetzt


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