Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Das beste Hashtag der Welt der Woche


ANNA GOLDENBERG
Feuilleton | aus FALTER 37/16 vom 14.09.2016

Bekannte Filmtitel abzuwandeln, um aktuelle Begebenheiten zu kommentieren, ist ein alter Schmäh in den sozialen Medien. Mit "Star Wars Episode IV - A New Pope" reagierten Twitteraten auf die Wahl von Papst Franziskus im März 2013. Dem VW-Abgasskandal folgten Zeilen wie "Vom Diesel VWeht" und "Ich weiß, was ihr letzten Sommer manipuliert habt", mit "The Lyin' King" und "Con Hair" verspotteten User den US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump.

Letzte Woche wurde bekannt, dass es bei den Wahlen zum Bundespräsidenten schon wieder eine Panne gab.

Die Klebestreifen der Wahlkartenkuverts drohen sich zu lösen. Die Twitteria reagierte angemessen: Unter dem Hashtag #wahlkartenfilme finden sich zahlreiche Varianten von Filmtiteln, etwa "Moby Pick","Pick It Like Beckham" oder "Harry Potter und der Zauberkleber". Kurz nachdenken, schmunzeln, lachen. Warum ist das so wunderbar tröstlich?

Die Verschiebung der Wahl weckt in vielen das beunruhigende Gefühl, dass etwas mit unserem System nicht ganz in Ordnung ist. Wer weiß, wo noch überall geschlampt wird? Galgenhumor hilft dagegen, sich weniger ohnmächtig zu fühlen. Zumindest lustig machen können wir uns darüber - und zwar auf eine Art und Weise, die grundlegende demokratische Rechte respektiert und nicht zynisch infrage stellt.

Andererseits ist #wahlkartenfilme eine erfrischende Abwechslung zum oftmals rauen Umgangston auf Twitter. Rund 150.000 heimische User verzeichnet der Kurznachrichtendienst; viele davon, so scheint es, sind zum Streiten dort. Auf 140 Zeichen ist schließlich kaum Platz für vielschichtige Argumente. Man missversteht sich schnell und gerne. Umso erfreulicher, wenn man gemeinsam lachen kann.


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