Unter Buchen sollst du suchen

Im Wienerwald warten Tonnen von Bucheckern darauf, aufgeklaubt zu werden. Der Ölmacher Franz Hartl verarbeitet die Früchte der Rotbuche heuer erstmals zu einem feinen Öl. Ein Pionierprojekt

BESUCH: BARBARA TÓTH (TEXT) UND CHRISTOPHER MAVRIČ (FOTOS) | Landleben | aus FALTER 37/16 vom 14.09.2016


Foto: Christopher Mavrič

Foto: Christopher Mavrič

Unser größter Feind ist das Wildschwein.“ Franz Hartl steht auf einer Waldböschung, in der Hand einen schwarzen Kabelbinder. Hoch über ihm thronen die Kronen fünf prächtiger Rotbuchen. Ihre glatten Stämme ragen kerzengerade in den Himmel, ein jeder trägt ein rosa Plastikband. Die stolzen Bäume schauen schon herbstlich aus. Aber der Eindruck täuscht. Ihr Laub ist noch grün. Nur die vielen fetten Früchte, die sie tragen, lassen sie braun aussehen. Um genau diese Bucheckern, die da oben in gut 30 Meter Höhe hängen, werden sich Hartl und seine Helfer in den nächsten zwei Wochen mit den Wildscheinen, den Siebenschläfern, den Eichkätzchen des Wienerwaldes streiten.

Es ist ein absolutes Pionierprojekt – und gleichzeitig auch wieder nicht. Insofern erzählen uns die Bucheckern viel darüber, was wir an Wissen über den Wald und die Natur verloren haben. Und noch mehr darüber, wie wir es wieder zurückgewinnen können.

Hartl, einer der besten und innovativsten Ölmacher des Landes, will aus den Kernen der Rotbuchenfrucht nämlich erstmals seit Jahrzehnten wieder Bucheckernöl herstellen. Bucheckern schmecken nussig, sie erinnern ein wenig an nicht ganz reife Walnüsse, nur sind sie zarter und feiner. In einem Wort: delikat. Die Schweizer nennen sie „Buchennüssli“, was den Geschmack der Frucht fast besser trifft.

  1370 Wörter       7 Minuten
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