Politisch unkorrekt, sehnsüchtig im Ton

Eine großartige Retrospektive im Filmmuseum zeigt die harte Schule des französischen Polizeifilms

ELOGE: DOMINIK GRAF | Feuilleton | aus FALTER 37/16 vom 14.09.2016

Der französische Polizeifilm der End-70er und frühen 80er ist eigentlich nichts für Filmmuseen, nichts für den Kanon. Filmhochschüler schauen abschätzig oder gar nicht darauf. Es sind tiefdunkle, harte, schnelle und trotzdem zarte Filme, die in diesen Übergangsjahren der Präsidentschaft Giscard d'Estaings zur Regierung Mitterrand entstehen. Sie sind extrem politisch unkorrekt, realistisch inszeniert und sehnsüchtig im Ton.

Das war vielleicht damals sogar eine Weltsekunde des "kleinen" Films, ein kurzer Moment des gezielt unaufwendigen Erzählens mit maximalem Ergebnis. Der Asphalt der Pariser Straßen bei Nacht glänzt noch genauso dunkelblau und feucht wie bei Genrepionier Jean-Pierre Melville, nur dass man jetzt die Stadt auch riechen kann.

Die Bilder des "ehrlichen" Polizeithrillers (frz. Film polar) waren für kurze Zeit ganz schlicht geworden. Halbtotale, Halbnahe, Nahe. Schnitt, Gegenschnitt. Kaum Fahrten. Kein filmischer Protz, kein eitles Styling. Keine Konzepte, kein "Look"

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