Menschen

Die Schönheit der Stadt


LUKAS MATZINGER
Falters Zoo | aus FALTER 37/16 vom 14.09.2016

Vergangene Woche war in Wien gewissermaßen die Woche der Frauen, die als schön bezeichnet werden. Die Vogue Fashion's Night Out ist eine von der weltberühmten Zeitschrift initiierte Modeschauen-Tour, die auch Wien nicht verschonte. Weshalb am Mittwoch Models durchs Goldene Quartier stolzierten und mit der heimischen Feiergesellschaft auf das schöne Leben tranken. Es wurden Variationen des "kleinen Schwarzen" vorgetragen, dann walkte das First Face der Veranstaltung, Anna Ermakova, daher. Die 16-jährige Tochter von Boris Becker, die modeln geht, seitdem sie sich erinnern kann, hatte ihre Mutter Angela Ermakova mit. Die ehrwürdige Zeitungsverlegerin Eva Dichand schaute zu, die Fernsehpolizistin Ursula Strauss auch und Marika Lichter, die gewiss Enttäuschung hervorgerufen hätte, wenn sie nicht dort gewesen wäre, sowieso.

Tags darauf kamen in der Loos-Bar Wiener Frauen zusammen, um einen Kalender zu präsentieren, der im Wesentlichen aus Bildern von ihnen besteht. Für die Wodkamarke Absolut und die genannte Bar ließen sich Frauen wie die Filmschauspielerin Michou Friesz, Soul-Sängerin Dorrett a Carter, die Drag-Queen Tamara Mascara und die Nachtleben-Legende Marianne Kohn fotografieren und sich dann in der Bar herzeigen.

Schließlich kam noch die Meldung auf, dass als aktuelle Mrs. Universe eine Österreicherin gewählt wurde. Das ist korrekt. Olga Torner aus Wien hat ebenjenen Titel gewonnen. "Mrs. Universe" prämiert eine schöne verheiratete und berufstätige Frau zwischen 25 und 45 und ist bitte nicht mit dem "Miss Universe"-Titel zu verwechseln.

Am Donnerstag eröffnete die Ausstellung von Martin Kippenberger im Kunstforum. Also, dort ist die Ausstellung, die Einstandsfeier war im weniger punk-als prunkhaften Palais Ferstel. Dort sprach der aus Berlin eingeflogene, seinerseits Punkrocker und Frontmann der derartigen Band Einstürzende Neubauten, Blixa Bargeld, eine Rede. Er kannte Kippenberger eigentlich gar nicht so gut, bekannte er, und gab ein paar launige Szenen aus dem abgefuckten Berlin der 80er-Jahre wieder. Robert Zadrazil, Vorstandsvorsitzender der Bank Austria, trat auch zu einem Sprechakt an und sagte, dass er sich freue, ausgerechnet Herrn BARGELD begrüßen zu dürfen (klimper, klimper). Eine Edel-Abordnung der heimischen Kunstszene schmunzelte im Auditorium. Martin Kippenberger war ein Komplettkünstler, der 1997 in Wien starb und dem bis dahin daran lag, auf den herkömmlichen Kunstbegriff zu scheißen. Die Ausstellung ist gut (siehe auch Seite 36).

Der Rewe-Konzern veranstaltete ein Nachhaltigkeits-Dinner in der Orangerie Schönbrunn. Unter haufenweise anderen wichtigen, bezwirnten Leuten wurden dafür der Generaldirektor der Brau Union Markus Liebl, Nationalbankpräsident Claus Raidl und die Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek Johanna Rachinger mit großen Kraftfahrzeugen hergefahren, um über den Brexit zu sprechen. House-of-Lords-Mitglied Daniel William Finkelstein rechtfertigte sich und sein Königreich.


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