Der Faschist, der Führer und Heiland zugleich sein wollte

Eine gründliche Biografie über den rumänischen Faschistenführer Corneliu Zelea Codreanu zeigt ihn als Nationalsozialisten reinster Form

REZENSION: NORBERT MAPPES-NIEDIEK | Politik | aus FALTER 37/16 vom 14.09.2016

Göring oder Goebbels? Was schlimmer beziehungsweise noch eher erträglich ist, von einem zynischen Machtmenschen oder von einem fanatischen Ideologen regiert zu werden, war schon zu Lebzeiten der beiden Nazi-Größen ein beliebtes Thema. Eine Antwort gab es nicht. Es gab ihn aber, den "reinen Nazi", wenn nicht in Deutschland, so doch in Rumänien. Er hieß Corneliu Zelea Codreanu und war zu Lebzeiten europaweit bekannt. Der Wiener Südosteuropa-Historiker Oliver Jens Schmitt hat dem charismatischen Führer eine erhellende Biografie gewidmet. Codreanus zwangsläufiges Scheitern, wie Schmitt es beschreibt, wirft auf den Faschismus, nicht nur den rumänischen, ein neues Licht.

Um Faszination zu erregen, brauchte der hochgewachsene Asket mit den grünen Augen und den tiefen Kummerfalten keine perfekten Reichsparteitage und Brüllreden. Lieber übte er sich in einem Schweigen, das alle für beredt hielten und mit ihren Projektionen füllten. Seine ordensähnliche "Legion des Erzengels Michael"

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