Stadtrand Urbanismus

Die fünfte Jahreszeit von Wien


Birgit Wittstock
Stadtleben | aus FALTER 38/16 vom 21.09.2016

Die Gegenwart ist von zwei starken Strömungen geprägt: Die eine ist die Globalisierung, die alles, was sich auch nur irgendwie gut verkauft, von der breiten Masse weltweit ausschlachten lässt. Die andere, das Gegenteil davon, könnte man dann wohl Lokalisierung nennen, sie setzt auf eine Gruppe von Eingeweihten. Ende des Monats, wenn gleichzeitig die Wiener Wiesn (22.9. bis 9.10.) und die Vienna Design Week (30.9. bis 9.10.)stattfinden, werden beide Strömungen die Stadt teilen - Schnittmenge gibt es dann praktisch so gut wie keine.

Während man im Prater auf der Kaiserwiese aufgedirndlt und lederbehost mit "gepflegtem Brauchtum, zeitloser Tradition und einer angeborenen Geselligkeit" den Heimatbegriff oder das, was man dafür hält, feiert, werden die anderen internationale Kulturprodukte bestaunen. Die einen schunkeln bei der Franchise-Volkstumsgaudi, die anderen werfen einen Blick über den Tellerrand auf lokale Eigenheiten -von hier und anderswo. Die Ironie der Sache ist, dass sich ausgerechnet das Klischee des regionalen Brauchtumsfestls als globale Marke blendend verkauft.


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