Buch der Stunde

Mit Hansi Lang auf der Suche nach sich selbst

JULIANE FISCHER
Feuilleton, FALTER 38/16 vom 21.09.2016

Jeanny, quit livin' on dreams!", möchte man der Figur mit Falco zuschreien. Dabei fand sie, die Protagonistin, die eigentlich Vie heißt, einen anderen Wiener Pop-Hansi besser: Hansi Lang. "Ich spiele Leben und Zucker gingen einfach mehr unter die Haut; vielleicht, weil der Hansi so traurige Augen hatte", erinnert sich Vie zurück an die Zeit, als sie sich im Wiener U4 die Nacht um die Ohren schlug, als es noch ein Vierteltelefon gab und die Zeitungen über Tschernobyl und Kurt Waldheim schrieben.

Um nur ja nicht Döblinger Hausfrau zu werden, zog sie schon vor der Matura aus dem gutbürgerlichen Elternhaus aus. Sie könnte ins Bellaria Kino gehen, Rosinengugelhupf essen und Schallplatten von Kate Bush hören. Stattdessen sucht sie zum Erwachsenwerden lieber Grenzen, an denen man sich reiben kann. Und bei Vie haben diese Grenzen besonders harte Kanten. Sie verfällt dem üblen Schlägertypen Bojan mit einer solchen Naivität, dass es wehtut. Er ist ein Unterdrücker, ein unberechenbarer

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