Film Neu im Kino

Feministische Revision: das Projekt "Hildegart"

EVA KLEINSCHWÄRZER | Lexikon | aus FALTER 38/16 vom 21.09.2016

Das "Projekt Superwoman" entwickelt sich Anfang des 20. Jahrhunderts im Kopf einer jungen Frau, die, selbst unglücklich mit ihren Lebensumständen, die Welt für immer verändern will. Vertieft in Bücher über Eugenik, Feminismus, Philosophie und Politik fasst sie den Plan, die Überfrau zu erschaffen. Im Alleingang bekommt sie eine Tochter, die sie für ihre Zwecke und Ideale formen will: Hildegart nimmt immer mehr Gestalt an und erlangt internationale Berühmtheit in intellektuellen Kreisen. Als diese jedoch anfängt, eigene Ideen zu entwickeln, kann die Mutter es nicht ertragen, dass ihr Lebenswerk scheitert, und erschießt ihre 18-jährige Tochter im Schlaf. Soweit die Geschichte, die nicht nur einen Einblick in Denkwelten des ausgehenden 19. Jahrhunderts eröffnet, sondern vor allem Mutter-Tochter-Beziehungen nachgeht und nun Ausgangspunkt für Barbara Caspars neuen Film "Hildegart oder Projekt: Superwoman" ist.

Um sich dieser historischen Begebenheit anzunähern, arbeitet der Film mit zweierlei Mitteln: Einerseits spürt er der Vergangenheit mittels Animationssequenzen nach, was vor allem durch den Monolog der Mutter überraschende wie ambivalente Perspektiven zutage bringt. Andererseits stellt sich der Anspruch, den Film in der Gegenwart zu verorten und ihn mit Blick auf soziale und feministische Entwicklungen erneut zu befragen. Dafür kommen Frauen verschiedener Professionen zur Sprache, etwa die Femen-Bewegung, Sozio-und Psychologinnen oder eine Astrologin. Eingang finden auch Filmaufnahmen, die das "Projekt Superwoman" scheinbar dokumentarisch aufwerten sollen und historisches Material zeigen, wobei die Motive so wahllos erscheinen, dass sich ihr Sinn oft nicht erschließt. Dennoch bleibt Hildegart eine ungewöhnliche und geistreiche Annäherung an ein Phänomen.

Ab Fr im Top und Schikaneder


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