Film Neu im Kino

Babyboom in Boboland: Neues von Marie Kreutzer

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 38/16 vom 21.09.2016

Die Edelkaffeemaschine haben sie, auch das Fitnessarmband und die Ukulele. Was den befreundeten Bobopärchen Stella und Markus, Ines und Chris sowie Mignon und Luis jetzt noch fehlt, ist Nachwuchs. Schon wölben sich drei Bäuche. Doch dass vieles anders kommt, als sie gedacht haben, müssen die sechs Mittdreißiger erst verdauen.

In "Was hat uns bloß so ruiniert" setzt sich Regisseurin und Drehbuchautorin Marie Kreutzer mit Leid und Freud der Familiengründung auseinander. Nach einem kurzen Blick auf die Schwangerschaften sind die drei Töchterchen zu Kleinkindern gereift. Mignon wird zur windelablehnenden Übermutter, Stella von einem Gefühl der Verlorenheit geplagt, Chris von Ines verlassen. In der Bobokinderkrippe diskutiert man, wie böse Rosinen sind. Diese Szenen, die an "Der Gott des Gemetzels" erinnern, gehören zu den besten des Films.

Grundsätzlich weist Kreutzers skizzenhafte Tragikomödie eine größere Nähe zur Realität als zur Satire auf: Es ist kein Werk nur über Bobos, sondern auch eines für Bobos. Die Oneliner-gespickten Schlaglichter auf Konflikte und (Luxus-)Probleme sind zwar klar überzeichnet, die Figuren mehr Schablonen als Personen. Doch insbesondere mit der Technik, Reflexionen über das Elternsein als Film im Film zu transportieren (Filmakademie-Absolventin Stella bittet ihre Freunde vor die Kamera), kommen Gedanken und Gefühle zur Sprache, die wohl alle Eltern kennen. Diese "Essenz" ist auch die Botschaft des Films, in dem sich die höchst unterschiedlichen Charaktere ansonsten selbst ihren "Bioscheiß" vorwerfen, sich neokonservativ oder Rabeneltern nennen. Kreutzers Werk wird damit so unangreifbar wie ein organischer Fairtrade-Superfood-Smoothie -aber ein gut gelungener.

Ab Fr in den Kinos


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