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Dürfen Eltern ihre Kinder facebooken?

Medien | RECHTSGUTACHTEN: FLORIAN KLENK | aus FALTER 38/16 vom 21.09.2016

Eine unbestätigte Meldung der Ganzen Woche machte internationale Schlagzeilen. Ein 18-jähriges Mädchen will angeblich seine Eltern verklagen, weil diese auf Facebook Fotos aus ihrer Kindheit posteten. Da sich die Eltern weigern würden, die Bilder zu löschen, will sie diese juristisch dazu zwingen.

Es ist unklar, ob die Meldung wirklich stimmt, aber sie wirft tatsächlich spannende Fragen auf: Wird das Mädchen den Prozess gewinnen? Was müssen Eltern wissen, wenn sie die Bilder ihrer Kleinen posten?

Es kommt auf die Umstände an, sagt Falter-Medienanwalt Alfred Noll. Erste Vorfrage: Ist das Kind überhaupt (noch) identifizierbar? Diese Prüfung muss aus dem Kontext des Bildes erschlossen werden. (Ist es getaggt? Haben die Eltern denselben Nachnamen?)

Zweite Frage: Werden durch das Bild "berechtigte Interessen" des Kindes verletzt, etwa weil das Kind in misslichen Posen, nackt oder krank gezeigt wird? Dann wird Paragraf 78 des Urheberrechtsgesetzes schlagend, der Bildnisschutz.

Nicht nur einen Unterlassungssondern sogar einen Entschädigungsanspruch gibt es nach dem Mediengesetz. Wenn der höchstpersönliche Lebensbereich bloßgestellt wird, etwa durch Aufnahmen, die den Gesundheitszustand eines Kindes dokumentieren, es als Opfer oder in einer Psychiatrie zeigen. Dann müssen Eltern sogar Schadenersatz zahlen. Facebook ist nämlich ein Medium. Bilder, die einfach nur die Kindheit dokumentieren, etwa ein mit Pudding verschmiertes Kindergesicht, berühren die berechtigten Interessen des Kindes nicht. Ob man seinem Kind zumutet, auf diese Weise öffentlich zur Schau gestellt zu werden, ist dann eine Frage der eigenen Moral.


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