Fairwort

ARMIN THURNHER | aus FALTER 38/16 vom 21.09.2016

Man hat mitunter noch das Gefühl, faires Leben sei etwas für Abgehobene. Ein Projekt, das mit unserem täglichen Leben nicht wirklich zusammenhängt. Und dann unternimmt man die Reise zu einem betrieb, der als Inbegriff grünen Wirtschaftens gilt, der Grünen Erde in Oberösterreich, und trifft auf eine andere Welt. Nicht nur, weil die Farbtöne dort weiß, warm und gedämpft sind, die Natur idyllisch und die Menschen sanft. Sondern weil da ein auch ökonomisch stimmiges Ganzes entstanden ist, das seine Mitarbeiterinnen (zu 90 Prozent Frauen) fair behandelt, von seinen Kunden finanziert wird und seine Belegschaft am Gewinn beteiligt. Und noch schöne Dinge produziert, die nicht billig sind, aber das Leben nachhaltig verbessern, Betten und Matratzen zum Beispiel.

Heini Staudingers Crowdfunding-Modell inspirierte die Leute von der Grünen Erde. Es gibt aber auch anderswo ökologisch korrekte Firmen, an denen es sich durchaus rentiert, beteiligt zu sein. Kundenbeteiligungsmodelle und Modelle alternativer Finanzierung boomen. Das ist gut so, denn die Krise des überhitzten Finanzmarkts ist noch nicht auf dem Höhepunkt. Aber immer mehr Leute besinnen sich darauf, die Realwirtschaft direkt zu finanzieren (oder auf dem Umweg über eine faire Bank), statt sich an Zinsspekulationen zu beteiligen oder gar der Bank Geld zu bezahlen, weil man ihr Geld geliehen hat.

Die Schweizer Firma Geberit zum Beispiel, ökologisch korrekt, weil sie Mengen an Trinkwasser zu sparen hilft, hat im letzten Jahrzehnt ihren Aktionären zu Renditen von tausend Prozent verholfen.

Man kann es natürlich auch so machen wie Elon Musik, der Gründer von Tesla. Er stürzt sich in Millliardenkredite und kümmert sich nicht darum, wie er sie zurückzahlen kann. Immerhin finanziert er damit seine Pionierarbeit bei E-Autos und Akkus. Mehr zu alldem in diesem Heft.


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