Selbstversuch

Wir verstehen leider die Frage nicht

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 38/16 vom 21.09.2016

Na ja, sagen wir: eine fette Sieben, sagten die Teenager. Schwein gehabt. Es hätte auch eine funkelnde Zwölf mit Glitzerstaub und Smarties sein können, auf der zehnteiligen Peinlichkeitsskala, mit der die Performance bei der letzten Kolumnen-Buch-Präsentation bewertet wurde. Die Teenager waren diesmal anwesend. Es war sehr lustig und, nachdem sie nach Hause sind, sehr lange, meinerseel.

Ich erwähne das, weil ich etwas wirklich Wichtiges vergessen habe an dem Abend, nämlich die Danksagung an die wunderbaren nunmehrigen Teenager, die auch dieses fünfte Kolumnen-Buch ermöglicht haben: die Mimis, die ihre peinliche Mutter und ihre peinlichen Geschichten mit relativer Nonchalance ertragen und die bei den Schmerzensgeldforderungen noch immer relativ kulant sind; der Horwath-Schurli, der Gries jr., das Roidl-Dirndl, die Zenker-Kids und die anderen Teenager, die dazu beitragen, dass es hier etwas zu erzählen gibt.

Und Dank vor allem auch einmal jenen, die immer so unauffällig super sind, dass sie einem keinerlei Anlass bieten, sich wortreich über sie auszulassen: Indem sie für die nächtliche Radtour die peinlichen Warnwesten, die die ängstliche Gluckenfrau besorgt hat, nicht nur anziehen, sondern auch die anderen Kids davon überzeugen, dass das swag sei; was der Mutter in 100 Jahren nicht gelungen wäre, danke sonnige, vernünftige L. Und denen, die um zwei Uhr früh noch ihre Spaghettiteller abwaschen, sehr fein, V. Und denen, die nur ein bisschen die Augen verdrehen, wenn die Mutter wieder einmal dezibelstark ihre Gelassenheits-und Eleganz-Motti vergisst. Und denen, die Staudammspringen heuer unter die uncoolen Sommerzeitvertreibe listeten, gottlob.

Und nochmal den Mimis, die die Frage nicht verstehen, ob man in meinem Altern noch einmal eine Bomberjacke kaufen darf, weil was soll dagegen sprechen? Die immer noch mit aufs Land fahren. Die immer noch mit mir sprechen und mir Sachen erzählen, obwohl sie das in ihrem Alter gar nicht müssten. Und die mich ausschlafen lassen, nach einer Buchpräsentation und wann immer es sonst nötig ist. Und die jetzt ihr ganzes Schulzeug selber besorgen, Halleluja. Und mir keine Sorgen machen, jetzt jedenfalls nicht. Und die sich, ja schon okay, auch heute wieder selbst versorgen, solange nur immer genug Pasta und Pesto im Haus ist.

I'm a lucky bitch.

Das Leben daneben lässt einen nach all den zähen Bundespräsidentschaftswahlwiederholungsverschie bungsdesastern jetzt doch wieder hoffen für die politische Zukunft: Well done, Leopoldstadt! Lasst uns das Ergebnis dieses blau-grünen Stechens als ein extrem hoffnungsgeladenes Signal für den 4. Dezember betrachten. Lasst uns wie bisher auch weiterhin darauf bauen, dass es in diesem Land mehr vernünftige Leute gibt. Alles wird gut, ich spür es.

"Langsam, langsam, nicht so schnell: Geschichten vom Leben unter Teenagern", Doris Knechts neue Sammlung von Falter-Kolumnen, ist soeben im Czernin-Verlag erschienen


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