Musiktheater Kritiken

Didaktische Hamlet-Familienaufstellung

Lexikon | HR | aus FALTER 38/16 vom 21.09.2016

Schon im Prolog tritt ein alter Herr auf, der die Geschichte immer wieder kommentiert. Hamlet hat diesen verstorbenen Vater als Spießer erlebt, seine Mutter Gertrud will den Schwager Claudius heiraten, sie sagt ihm "mein kleiner Mann" und "Kämm dich", und der pubertierende Antiheld kommt nicht über Ausrufe wie "Du darfst das nicht tun ein Ausweg

ein Abgrund" hinaus. Den "Sein oder nicht sein"-Monolog singen der Chor und der Torte essende Pastor. Autor Thomas Jonick machte aus dem weisen Stück Shakespeares eine Seifenoper, in der der Held ein unselbstständiger, emotional Abhängiger bleibt, der sogar der Prostituierten Ophelia auf den Leim geht. Christof Loy inszenierte den Plot fraglos gut, Anno Schreier schrieb gekonnt und wirkungssicher schillernde Gebrauchsmusik. Der Rest ist Schweigen.

Theater an der Wien, Fr 19.00 (letzte Vorstellung)


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