Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Die beste Abspannmusik der Welt der Woche

Feuilleton | GERHARD STÖGER | aus FALTER 38/16 vom 21.09.2016

Man muss kein Teenager sein, um Wolfgang Herrndorfs Jugendbuch "Tschick" zum Weinen schön zu finden. Um mitzuleben und mitzuleiden mit dem wohlstandsverwahrlosten 14-jährigen Berliner Loser Maik Klingenberg, seinem Kumpel, dem Außenseiter Andrej Tschichatschow, genannt "Tschick", und ihrer sommerlichen Abenteuerreise im geklauten Lada Richtung Walachei.

Die Übersetzung in ein Stück Jugendtheater hat bereits wunderbar funktioniert, seit vergangenem Freitag läuft nun Fatih Akins Verfilmung des Stoffes im Kino. Die Ausgangslage war ambivalent: Einerseits kann bei einer derart grandiosen Vorlage fast nichts schiefgehen, andererseits ist es eigentlich unmöglich, die Magie dieses Buches auch nur annähernd auf die Leinwand zu bringen. Aber "Tschick", der Film, schlägt sich wacker. Die Hauptdarsteller sind toll, die Handlung ist verknappt, ohne den Kern der Geschichte zu verstümmeln, und das offene Ende -na ja, soll sein.

Eine hübsche Überraschung hat Fatih Akin ganz am Ende versteckt. Mit dem Abspann setzt eine eigens für den Film eingespielte deutsche Coverversion des 1990er-Jahre-Indiehits "French Disko" der Gruppe Stereolab ein, die den Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow mit der Band Beatsteaks verkuppelt. Hier die hemdsärmeligmuskulöse Rocktruppe, dort der kultivierte Feingeist des deutschen Klugscheißerpops -was für eine seltsame Kombination. Doch siehe da: Sie funktioniert!

"Es ist sicherlich absurd, in dieser Welt zu leben, sie erscheint dir sinnentleert, doch zieh dich nicht zurück", deklamiert von Lowtzow. "Spontane Rebellion und Solidarität sind Akte, die jetzt wertvoll sind, es ist nie zu spät. La résistance!" Wie schön. Ein Video gibt es dazu auch, es ist nicht die schlechteste Einstimmung auf den Film.


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