Gegessen wird, was Werner sagt

Mit der Fusion von Bayer und Monsanto hätte ein Konzern allein so viel Macht über das Essen wie noch nie zuvor. Was wird sein Chef Werner Baumann uns auftischen?


RECHERCHE: GERLINDE PÖLSLER
Landleben | aus FALTER 38/16 vom 21.09.2016


Foto: Biohof Adamah

Foto: Biohof Adamah

Am Biohof Adamah im Marchfeld lassen sich die Bauern nicht nur beim Hoffest über die Schulter schauen. Auch sonst sind häufig Besucher da. Sie lassen sich zeigen, wie die enorm vielen Gemüse- und Getreidesorten angebaut und gepflegt werden, die die Zoubeks über ihren Hofladen, den Online-Shop und die Biokistln verkaufen. Allein an Tomaten und Paprika kultiviert der Hof um die 60 Sorten. „Bei den Paradeisern die Cocktailparadeiser Germain Gold und Berner Rose; außerdem Valencia, Green Zebra, Matin, Ochsenherz, San Marzano …“, zählt Gerhard Zoubek auf. Auch probiert er immer wieder Raritäten wie Spaghettibohnen aus, um ein bunteres Angebot zu haben.

Noch gibt es rund um den Globus Bauern wie die Zoubeks, die alte Sorten kultivieren, teils selber experimentieren und denen man bei der Arbeit zusehen kann. Werden statt der vielen tausend Köpfe bald nur noch die Chefs der größten Agrarkonzerne in ihren zutrittsgesicherten Labors darüber bestimmen, was auf unseren Tellern liegt?

Seit vergangenem Mittwoch ist es fix: Der deutsche Vorzeigekonzern Bayer AG will 59 Milliarden Euro für den US-Gentech-Konzern Monsanto auf den Tisch legen. Ob er das auch darf, entscheiden die Kartellbehörden. Monsanto ist schon jetzt Weltmarktführer in der Herstellung von Saatgut (mit 26 Prozent Marktanteil), Bayer zählt bei Pestiziden zur Weltspitze. Zusammen ergäbe das den größten Agrochemie-Konzern der Welt, der fast ein Drittel des globalen Saatgutmarktes und ein Viertel des Marktes für Unkrautvernichtungsmittel, Insektengifte & Co kontrolliert. Es sei ein „guter Tag für die Menschheit“, sagte Bayer-Chef Werner Baumann. „Gemeinsam können wir noch mehr dazu beitragen, dass im Jahr 2050 zehn Milliarden Menschen satt werden.“ Doch das sehen Menschen auf der ganzen Welt als gefährliche Drohung. Ob Greenpeace oder konservative EU-Politiker, die alternative Nobelpreisträgerin Vandana Shiva aus Indien oder Bernie Sanders von den US-Demokraten: Sie alle prognostizieren höhere Preise, abhängige Bauern und weniger Auswahl beim Essen. Von einem „Frankenstein“-Deal ist die Rede und von Landwirten als „Leibeigenen“.

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