Tiere

Wir lachen das

Peter Iwaniewicz klatscht sich beim Lesen von Studien nie auf die Schenkel

Falters Zoo | aus FALTER 39/16 vom 28.09.2016


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Wissenschaft und Humor sind zwei grundsätzlich verschiedene Zugänge, um die Welt zu beschreiben. Wissenschaft will präzise und objektiv sein, Humor hingegen verallgemeinert und ist subjektiv. Treffen diese antagonistischen Konzepte aufeinander, dann geht es für gewöhnlich meist heftiger zu als beim Münchner Oktoberfest.

1991 riefen Physikstudenten der Havard University den Ig Nobel Price ins Leben, um sich vor allem über Forschungsergebnisse anderer Fachdisziplinen lustig zu machen. Das ursprüngliche Motto „Studien, deren Erkenntnisse nicht wiederholt werden können oder sollen“ war Öl ins Feuer jener, für die Universitäten nur teure Brutstätten abgehobenen Wissensmülls sind. Also änderte man das Motto auf „Forschung, die Menschen zuerst lachen und dann nachdenken lässt“. Dennoch bleibt es – auch in der medialen Berichterstattung über die Preisverleihung – nur beim Lachen, denn Wissenschaft als großes Bierzelt mit Watschentanz ist die gefragtere Inszenierung.

Letzte Woche wurde der Preis in der Kategorie Biologie an zwei Männer vergeben, die auf unterschiedliche Weise versuchten, als Tier zu leben und zu fühlen. Charles Foster verbrachte seine Zeit als Dachs, Otter, Hirsch und Mauersegler. Thomas Thwaites baute sich Arm- und Beinprothesen, mit denen er unter Ziegen gehen und leben konnte.

Wissenschaftlich beschäftigte sich erstmals 1974 der Philosoph Thomas Nagel in einem Essay mit der Frage „Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?“ und postulierte, dass eine objektive Wissenschaft grundsätzlich nicht in der Lage wäre, solche subjektiven Fragen zu klären. Einen anderen Zugang versuchte 2004 der Künstler Paul Hurley. Eingehüllt in Frischhaltefolie lag er eine Woche lang in einem lockeren Erdhaufen, knabberte an feuchtem Laub, schluckte Staub und grub sich durch den Untergrund. Das Medieninteresse an seiner Aktion war riesig, angereisten Journalisten gab er aber in seiner sprachlosen Wurmexistenz keine Antwort.

Jetzt wurden Thwaites (ein Designer) und Foster (Tierarzt) für ihre spannenden Selbstversuche mit dem Ig Nobel „ausgezeichnet“, weil sie die Grenzen unseres Verständnisses von tierischer (ich fühle, also reagiere ich) und menschlicher (ich denke, also bin ich) Existenz aufzuheben versuchten.

Gelacht wurde darüber bereits ausgiebig, jetzt könnte man auch einmal mit dem Nachdenken anfangen.


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