Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Die besten Clownerien der Welt der Woche

Feuilleton | Nicole Scheyerer | aus FALTER 39/16 vom 28.09.2016

Viele Künstler erschufen Clowns als ihr Alter Ego. Egal ob Watteau, Picasso oder Cindy Sherman, sie waren von den naiven, melancholischen oder unheimlichen Maskenträgern fasziniert.

Am Beginn der "40 Jahre Circus Roncalli"-Show auf dem Rathausplatz treten zwar keine Clowns auf, aber die mit Karos verzierten Outfits der rockigen Artistentruppe zitieren die Harlekinkostüme, die schon in der Commedia dell'arte getragen wurden. Als dann Clown Anatoli mit seinem ausgepolsterten Popo und den durch Bälle verbeulten Knien auftritt, kann sich dessen Charme niemand entziehen. Besonders hoch gehen die Wogen, als der Tolpatsch Helfer aus dem Publikum einspannt, um ihm bei seinen Malheurs, wie einem herabgeschossenen Scheinwerfer, zu helfen.

Es ist der wunderbare Mix an Charakteren, der bei Roncalli so mitreißt. Wenn etwa der als Roncalli-Maskottchen bekannte Weißclown Gensi durch die Manege schreitet, wirkt er mit seinem goldenen Hütchen fast royal. Wie es mit der Clownerie in der Zukunft weitergehen kann, zeigt die koboldhafte Figur Ai Moko. Anfangs nervt sein Gewinsel, das an die italienische Zeichentrickfigur La Linea erinnert, aber dann wirbelt er virtuos in einem großen Reifen herum. Ins Fach "Comedian" fällt Robert Wicke, der Geräusche nachahmt und so manches "sexy" Späßchen macht, aber auch er hat etwas von einem lieben Clown.

Alle lieben Ramon mit dem holländischen Akzent, der ja "nur zum Putzen" im Zirkus ist, aber dann doch einspringt, als die Magierin weg muss. Er lässt sich den Zaubertrick via Handy ansagen - Pannen vorprogrammiert. Wenn dann Paolo Carillon auf dem Hochrad einfährt, Maschinen magisch zum Leben erweckt und Seifenblasenwolken kreiert, dann ist das einfach große Kunst.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige