Erscheinungen Personen, Trends, Kampagnen

Von der Fantasiewelt in die Einzelhaft


Vergangenen Mittwoch, WU-Campus Wien. Auf den Österreichischen Medientagen trifft die Branche zusammen. Ein Hipster-Friseur schneidet Besuchern Bart und Haar, ein Barista malt schaumige Herzen in Kaffeetassen, ein Wettanbieter verteilt Gratiskrempel.

Auf dem Weg zu den Vortragssälen hat ein Werbeunternehmen eine digitale Wand aufgebaut. Davor drücken Mitarbeiterinnen einem Besucher zwei Controller in die Hand und ziehen ihm eine Virtual-Reality-Brille über den Schädel. Vor seinen Augen tut sich daraufhin eine neue Welt auf, andere Besucher können sie auf der digitalen Wand betrachten. Mit den Controllern zeichnet der VR-Brillenträger Formen in die Luft, ändert auf Knopfdruck die Landschaft, bastelt sich also seine eigene Welt, die er auch durchschreiten kann.

Virtual Reality (VR) ist das neue Medienerlebnis. Es ist teuer, es ist geil. Die Milliardenkonzerne haben sich längst in Stellung gebracht. Facebook kaufte 2014 die VR-Brillentechnologie von Oculus Rift, Google entwickelte die Kartonhalterung Google Cardboard, mit der man sein Smartphone zur VR-Sehervorrichtung pimpen kann. Oben, im Clubraum des WU-Campus, bildet Google nun Journalisten aus und zeigt Best-Practice-Beispiele aus der Medienwelt. Dazu zählt etwa das Virtual-Reality-Projekt des Guardian namens "6x9". Wer sich das programmierte Stück mit VR-Brille ansieht, findet sich in einer Einzelhaftzelle wieder und hört dabei Stimmen von Ex-Häftlingen. Zwei Dinge lernt man in den folgenden neun Minuten in gefühlter Haft. Erstens, dass man nie im Leben strafffällig werden will. Zweitens, dass diese neue Erzählform in Zukunft jede geschriebene Reportage schlagen wird.

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FALTER 29/19
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