Sport Glosse

Der Fußballgott von Wien ist müd und seine Beine werden schwer

Johann Skocek beendet den Gott esdienst

Stadtleben | aus FALTER 39/16 vom 28.09.2016

Ein Jungspund spielt ihn langsam aus der Mannschaft. Tamás Szántó habe ihn noch nie enttäuscht, sagt Rapid-Trainer Mike Büskens. Szántó spielt dort, wo Steffen Hofmann gespielt hat. Hofmann kann nicht mehr. Langsam sehen das sogar die, denen es ganz grün vor den Augen wird, wenn sie ihn sehen. Schade, so einen Guten kriegen sie lange nicht mehr. Seit 2002 spielt Steffen Hofmann für Rapid, sie nennen ihn Fußballgott. Ein lieber, braver, anständiger, skandalbefreiter, stiller Brieskicker. Kein typischer Rapidler, begabter, ruhiger. Es hat ein wenig wehgetan, wie die vom Aufbautraining total stumpfen Typen von Chelsea um ihn herumgelaufen sind wie um ein Kind.

Jetzt steht er im neuen Stadion und merkt: Das wird nicht mehr. Er wird noch ein paar gute Szenen haben, Tore, Jubelchöre, Pässe, Momente. Tüchtige wie er versäumen gern den richtigen Tag. Lothar Matthäus. Franco Baresi. Fernando Hierro. Weil sie glauben, ohne sie ginge es nicht. Weil die anderen glauben, ohne sie ginge es nicht. Verständlich. Ohne Schaub oder Schobesberger ginge es jederzeit. Ohne Hofmann? Szántó? Schauma. Hofmann wird ihm auf die Schulter klopfen und "Gemma!" sagen. Wenn er ihn erwischt.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige