Kunst Kritik

Mit viel Anlauf: steiler Start in neuem Space

NS | Lexikon | aus FALTER 39/16 vom 28.09.2016

Ein besseres Debüt kann man sich kaum wünschen: Auf der Kunstmesse viennacontemporary letzte Woche erhielt Lisa Kandlhofer den Galerienpreis der Wirtschaftskammer Wien für die beste Standpräsentation. Die deutsche Künstlerin Frauke Dannert hatte der Koje einen All-over-Anstrich verpasst und darauf Collagen gezeigt, die an utopische Architektur denken ließen. Tags darauf eröffnete Kandlhofer mit Konzert und einem enormen Andrang ihre neuen Souterrain-Galerieräume beim Schwarzenbergplatz.

Auch wenn sie erstmals an der Wiener Kunstmesse teilnahm und erst jetzt "Galerie" auf ihre 400 Quadratmeter großen Ausstellungshallen schreibt, Kandlhofer ist beleibe keine Newcomerin. Die 31-jährige Galeristin begann 2010 in Wien Ausstellungen zu organisieren und firmierte ab 2013 unter dem Namen Lisabird Contemporay. Bei ihrer Eröffnungsschau "If walls are trembling" serviert Kandlhofer einen bunten Mix an Arbeiten, die zwar weniger einen roten Faden der Stilbildung erkennen lassen, aber doch recht viel hermachen.

Marco Stanke aus München, Jahrgang 1987, trat bei der Vernissage mit seiner Band Die Hartjungs auf, mag es bei seiner Installation aber lieber geometrisch als "impro-noise-punkig". Ist das nun Malerei oder nicht? Egal, an der Wand hängen schmale, mit Leinwand überzogene und monochrom bemalte Holzteile, die beliebig kombiniert werden können. Sieht leider etwas zu sehr gebastelt aus, ganz anders die zu Satzzeichen gebogenen Kupferplatten und die amorphe Marmorskulptur des Griechen Athanasios Argianas, die als skulpturale Setzungen überzeugen.

Es ist auch toll, dass Kandlhofer die poppigen Leinwandarbeiten von James English Leary nach Wien holt, die humorvoll und klug sind. Er hat übrigens auch schon in der Vito Schnabel Gallery ausgestellt.

Galerei Lisa Kandlhofer, bis 20.10.


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