Fakt & Vorurteil: Was wir vom Balkan glauben wollen

Unsere Vorstellung vom Balkan ist voller Klischees. Ein neuer Band fasst sie zusammen. Ob sie stimmen, beantwortet er leider nicht

Politik | Rezension: Norbert Mappes-Niediek | aus FALTER 39/16 vom 28.09.2016

Der Balkan ist, wie man weiß, das Letzte. Den Fortschrittlichen ist er zu rückständig, den Romantikern zu modern. Keine zivilisierten Europäer trifft man hier, aber auch keine edlen Wilden. Der slowenische Ethnologe Bozidar Jezernik weist mit einem Ritt durch die Reiseliteratur aus vier Jahrhunderten nach, dass es eigentlich schon immer so war.

Die Autoren, die er zitiert, übertreffen einander in ihren Urteilen über die barbarische, unwirtliche Weltgegend mit den erbärmlichen Straßen, verlausten Matratzen und zänkischen Völkern. Modernisierung macht es nicht besser, ganz im Gegenteil: Wo es einst wenigstens ein bisschen Ursprüngliches zu entdecken gab, stehen jetzt schäbige Kulturruinen. Der Balkan konnte es den westlichen Reisenden einfach nicht recht machen. Hübsch auf den Punkt gebracht hat seinen Eindruck der Brite James Fraser, als er 1836 vom damals österreichischen Semlin über die Donau nach Belgrad übersetzte und sich fühlte, als würde er "die Welt der Lebenden


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