Augenblick Wiener Momente


LM
Stadtleben | aus FALTER 39/16 vom 28.09.2016

Ein Mann setzt sich. Man kennt das. Wie er den Tisch ansteuert im Gastgarten, weil er immer den Tisch aussucht, sich den schönsten Platz erwählt und daran ist, den feuchten Leib zu bequemen. Es ist einer der letzten schönen Tage dieses Sommers, der Mann führt noch einmal seine Bermudahose aus, unter der milchweißes Fleisch hervorglänzt. Mit dem Eintreten des Sichsetzens schwingt der Mann sein Handy aus der vorderen linken, die Brieftasche aus der hinteren rechten Hosentasche. Das ist geübt, man merkt das sofort, wie er es spritzig beim Bücken aus dem Handgelenk auf den Tisch federt, dass es erst gegen Mitte zu liegen kommt. Der Mann hat nun sein Revier markiert. Sein Tisch, sein Geld. Er presst die wulstigen Arme in die Knie, und sowie er den Sessel erreicht, beulen seine Hoden deftig seine Hosen aus. Er schließt mit warmem Stöhnen, als hätte er geboren. Das iPhone liegt auf dem Display, er dreht es. Der Mann sitzt jetzt.


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