Im Schatten junger Mädchenbrüste

Biopics sind gerade en vogue. Was genau interessiert das Kino an der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts?

Feuilleton | Besinnungsaufsatz: Klaus Nüchtern | aus FALTER 39/16 vom 28.09.2016

Vergangenes historisch artikulieren heißt nicht, es erkennen, ,wie es denn eigentlich gewesen ist'. Es heißt, sich einer Erinnerung bemächtigen, wie sie im Augenblick einer Gefahr aufblitzt." Das schrieb Walter Benjamin in seinem Aufsatz "Über den Begriff der Geschichte", wenige Monate bevor er sich 1940 auf der Flucht vor den Nazis das Leben nahm. Benjamin beharrte darauf, dass Geschichte "Gegenstand einer Konstruktion" sei, in der die je dringlichen Anliegen und Aufträge der Jetztzeit den "Tigersprung ins Vergangene" veranlassten. So gesehen muss sich alle Auseinandersetzung mit der Historie die Frage stellen, warum sie uns gerade jetzt zu interessieren hat und welche Denk- und Handlungsmöglichkeiten für die Gegenwart dadurch eröffnet werden.

Im schlichtesten Falle liefern Biopics das Heldenleben eines oder einer kanonisiert Unkonventionellen, welches es dem Publikum erlaubt, über das spießige Seinerzeit die Nase zu rümpfen. Man muss Dieter Berners "Egon Schiele. Tod und Mädchen"


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige